Prinzessin Band 3 - Die letzte Kriegerin von John Aysa

Interview #001: John Aysa

Interview #001: John Aysa

Der Autor:
John Aysas Familie stammt ursprünglich aus Neuseeland. Der Autor trägt laut Pass einen anderen, alltagstauglichen Namen. Er lebt mit seiner Familie in Österreich und ist von Büchern geprägt. Seine Vorliebe gilt den drastischen Stoffen, die er in ebensolchen Werken auslebt. Er bezeichnet seine Erzählungen als „fiese Miststücke von Geschichten“.

Er bedauert den Mangel an Autoren-Groupies und hat eine Vorliebe für „neuseeländischen Krims-Krams“. Er schreibt auf Deutsch und spricht ein „nicht stubenreines, Yoda-geprägtes Englisch“.

Online ist er auf den üblichen sozialen Netzwerken, in seinem Newsletter sowie auf seiner Website www.johnaysa.net anzutreffen.

Mattsbooks.de: Wann hast du mit dem Schreiben begonnen und wie bist du dazu gekommen?
John Aysa: Begonnen habe ich in der Schule. Sehr ungelenk und amateurhaft, natürlich, aber mit großer Freude. Abartig waren die Geschichten schon damals, eine war nicht mehr als die seitenlange Schilderung eine im Wasser treibenden Leiche.
Bis ich das erste Mal ein Manuskript irgendwohin geschickt habe, sind viele, viele Jahre vergangen. Das ging dann an Festa, glaube ich. Das war aber vor einer Ewigkeit. Dann zogen nochmal viele Jahre ins Land, ehe ich es wagte, die Dinge in die Hand zu nehmen, selbst zu veröffentlichen und Michael Krug zu treffen – der Rest ist Geschichte.

Mattsbooks.de: Wie ist dein Arbeitsalltag gestaltet und wie gemütlich ist dein Schreibtisch eingerichtet?
John Aysa: Der schreibende Alltag? Ich setze mich in den Bürosessel am Tisch, drehe den PC an, setze die Kopfhörer auf und fange an, wie gestört in die Tasten zu hauen. Ich versuche, die Tischplatte möglichst leer zu halten, muss ihn regelmäßig aufräumen, weil sich unweigerlich Chaos ansammelt. Das ist so wie Ebbe und Flut. Derzeit probiere ich, dem Chaos mit Kartons Herr zu werden, in die ich alles reintue, was sonst auf der Tischplatte herumliegt.

Mattsbooks.de: Wie lange schreibst du an einem Roman? Arbeitest du jeden Tag daran? Und für wie viele Stunden am Tag?
John Aysa: Für jeden Tag habe ich nicht mehr genug Zeit. Ich gehe derzeit auch, wenn nur in Teilzeit, arbeiten, bin viel mit den Kindern allein, weil meine Frau eine Ausbildung macht, also jeder Tag ist nicht drinnen. Der Zustand wird noch eine Weile anhalten. Sechs Stunden an einem Tag die Woche ist das meiste, was derzeit an einem Stück machbar ist, insgesamt werden es vielleicht fünfzehn, zwanzig Wochenstunden sein.

Davor konnte ich mich für zweimal monatlich ein paar Tage zurückziehen und da ging enorm viel weiter. Da konnte ich Arbeitstage mit bis zu zwanzig Stunden durchziehen. Bis das wieder machbar ist, wird es noch dauern.

Die reine Schreibzeit wird, über den Daumen gepeilt, für einen Roman ungefähr bei dreihundert bis dreihundertfünfzig Stunden liegen.

Mattsbooks.de: Wann ist deine schaffensintensivste Phase (bestimmte Orte, Tageszeiten, Emotionszustände oder gar Wetterlagen/Jahreszeiten)?
John Aysa: In der Früh, am Vormittag geht es am zügigsten, weil ich noch nicht müde bin. Sonst ist grundsätzlich jede Tageszeit in Ordnung. Wenn, dann am eigenen Schreibtisch. In einem geschlossenen Raum oder so gedreht, dass niemand hinter meinem Rücken den Raum betreten kann. Das verursacht mir Unbehagen.

Das Wetter ist mir theoretisch egal, praktisch mag ich dunkle Tage, Regentage lieber. Emotionszustände spielen hin und wieder eine Rolle, aber nicht regelmäßig.

Mattsbooks.de: Wie weit steht deine Geschichte bereits fest, wenn du mit dem Schreiben beginnst? Steht zum Beispiel der Ausgang der Geschichte bereits zu Beginn fest?
John Aysa: Ich weiß, wo ich anfange und ich habe eine Vorstellung davon, wohin ich will. Ganz genau ausgefeilt ist das nicht, weil sich beim Schreiben – zumindest bei mir – immer wieder Elemente verselbstständigen, die den Kurs der Geschichte beeinflussen.

Außerdem komme ich unterwegs oft drauf, dass ich hier und da was hinzufügen oder streichen will – das ist wie bei Filmen, wo es einen Nachdreh gibt und dann im Schneidraum endgültig das Grundgerüst feingeschliffen wird. So funktioniert das Schreiben für mich.

Ich bin also weder ein Freewriter noch der exakte Planer und bis auf ein einziges Mal hat es dieses Vorgehen für mich gebracht.

Mattsbooks.de: Wie ist die Idee zu „SHE“ entstanden und war dir von vorneherein klar, dass es nicht nur ein Buch werden wird?
John Aysa: Klar war da gar nichts. Ich hatte keinen Plan, außer einen wüsten Roman zu schreiben. Beim Schreiben sind mir dann Einfälle und Ideen für weitere Geschichten gekommen. Dass die Prinzessin dann so viel Anklang gefunden hat, war die Chance, mehr daraus zu machen.

Die Idee – ich mag »Heldinnen«, die sich nichts scheißen. Und ich mag postapokalyptische Action sehr gern, angefangen bei Mad Max, italienischem Schund wie Fireflash oder neue Streifen wie Turbo Kid. Ich will auch, ich will auch, das war wohl mein Hauptmotiv für dieses Buch.

Mattsbooks.de: Dürfen wir uns auf weitere Bücher im „SHE-Versum“ freuen?
John Aysa: Oooh jaaaa. Ich arbeite gerade an einem neuen Roman um SHE. Sadisterotica ist der Titel. Und für die zwei nächsten SHE-Romane weiß ich schon, wie sie heißen und worum es gehen wird. Es befindet sich ein Kristina-Roman in Arbeit – sie ist in Band 2 und 3 von Prinzessin als Nebenfigur aufgetaucht.

Mattsbooks.de: Wie bereitest du dich auf Romane vor (Recherche, Interviews, etc…)? Was war denn bisher die aufwendigste Vorarbeit?
John Aysa: Ich habe ständig irgendwelche Ideen, die ich mir notiere und irgendwann formt sich daraus eine Geschichte. Manchmal bleibt es bei einer Erzählung, manchmal ist es Stoff für einen Roman. Dann setze mich hin und beginne mit dem Schreiben. Das ich fast ausschließlich in erdachten Welten unterwegs bin, kann ich mich auf meine eigenen Bücher und Online-Recherchen beschränken.

Blutliebe hat mir diesbezüglich die meiste Arbeit gemacht. Wegen dem verdammten Kran habe ich dann tatsächlich einen meiner Facebook-Freunde interviewt, der Kranfahrer ist – saugeil, sowas!! Vermutlich ist mir trotzdem mindestens ein Fehler unterlaufen. Waffen, Fahrzeuge, Bauwerke u.ä. sind dann eine Frage des Nachlesens. Ich liebe Blutliebe.

Mattsbooks.de: Hast du unter deinen eigenen Werken ein Lieblingsbuch, welches du neuen Lesern empfehlen würdest?
John Aysa: Gemeine Frage. 😉 Das liebste Buch ist immer das, an dem ich gerade arbeite. Wenn ich empfehlen müsste, dann Prinzessin. Es ist der Grundstein eines gewaltigen Universums, das in meinem Kopf wächst und wächst und auch Buch um Buch wachsen wird.

Oder einen der Storybände, Am Anfang war die Tat oder Ferve der Dreckfresser. Die Storys sind eine wüste Mischung vieler Motive und Absurditäten, die sich einfach nicht für Romane eigenen und finden noch immer ihr Publikum. Ich muss sie nur neu rausbringen, weil die Rechte zurück an mich gegangen sind.

Oder Blutliebe. Es ist ein wildes Buch, ein durchgeknallter Vampirroman mit größenwahnsinniger Action und – erschreckend, ich weiß, einer reizenden Liebesgeschichte. Blutliebe ist vermutlich mein freundlichstes und positivstes Buch.

Und wenn Blutliebe, dann gehört der Storyband Criterion als Ergänzung dazu, wegen der Schauplätze und einiger Figuren. Und weil ich weitere Storys in Criterion ansiedeln möchte. Unbedingt. Siehst du, es ist tatsächlich kompliziert.

Bis der nächste Roman fertig ist. Dann empfehle ich den. Das wird ein neues SHE-Buch.

Mattsbooks.de: Welchen berühmten Schriftsteller/in würdest du gerne einmal treffen und was würdest du sie/ihn fragen?
John Aysa: Ich glaube, niemanden. Das mag jetzt überraschend sein, aber wenn man Autoren, die man sehr schätzt, auf Twitter folgt, dann lernt man, manche davon sehr schnell mit anderen Augen zu sehen und … entfolgt sie wieder.

Ich glaube, ich würde lieber Guillermo del Toro auf ein Corona oder einen Tequila treffen und ihn fragen, wie er so viele Projekte und seine Familie unter den Hut bringt – und ob ich in seinem nächsten Film eine Leiche sein darf. 😉

Hm. Peter Watts würde ich gern treffen, aber den verstehe ich vermutlich nicht. Edward Lee zu treffen wäre vielleicht nett, keine Ahnung. Stephen King, eh klar. Clive Barker vielleicht. Aber ich hätte bei allen die Befürchtung, mich zum Trottel zu machen.

Mattsbooks.de: Kannst du dir vorstellen, ein Buch in einem anderen Genre zu veröffentlichen? Welches Genre geht gar nicht und warum?
John Aysa: Klar kann ich das und werde es auch unbedingt tun. Das weite, bunte Feld der romantischen Literatur in all ihren Formen kann ich am ehesten ausschließen. Ich bin echt kein romantischer Mensch. Will bestimmt auch niemand lesen, wenn Aysa am Cover steht. 😉

Mattsbooks.de: Bleibt neben dem Schreiben Zeit für weitere Leidenschaften? Was sind deine Hobbys?
John Aysa: Ha! Filme, Serien und Bücher sind meine Leidenschaften, Zeit mein Problem. Ich versuche, gemeinsam mit meiner Frau wenigstens einmal die Woche einen Abend für Serien und Filme freizuräumen. Den gröberen oder absurderen Stoff schaue ich mir zwischendurch allein an – also viel seltener, als ich gern möchte.

Mattsbooks.de: Warum liest du Bücher – und warum schreibst du Bücher?
John Aysa: Mich haben Bücher von frühester Kindheit an fasziniert und sie waren mir die liebsten Begleiter. Klingt etwas kitschig, ist aber so. Angefangen zu schreiben habe ich, weil ich die Geschichten, die mir stets durch den Kopf gegangen sind, selber lesen wollte.

Mattsbooks.de: Welche Ratschläge würdest du jungen Autoren mit auf den Weg geben?
John Aysa: Hm. Schreib, was das Zeug hält. Im Schnitt macht man alle hunderttausend Wörter einen Qualitätssprung nach oben. Also, tipp dir die Finger wund. Schau dir Filme und Serien an, lies Bücher. Und zeige das, was du kreierst, nicht her. Nicht, bevor du damit fertig bist.

Mattsbooks.de: Magst du uns neugierigen Lesern etwas über dein neuestes Projekt erzählen?
John Aysa: Öh. Na ja. Wir werden SHE auf einen neuen Abschnitt ihrer Reisen begleiten. Und wir werden Kristina wieder begegnen. Das sind die aktuellen Bücher, an denen ich arbeite. Weitere sind in Planung. Der aktuelle SHE-Roman ist in der Rohfassung beinahe fertig, beim Kristina-Buch fehlen noch weite Teile. Der SHE-Roman trägt den vermutlich bleibenden Titel Sadisterotica. Aber wer weiß, ob der Titel bleibt. Das Covermotiv ist jedenfalls schon da und heftig.

Vielen Dank für deine Geduld und deine Antworten, John!

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